Wenn wir uns auch nicht treffen können – wir können voneinander lesen!

Liebe Schwestern und Brüder, hat uns jetzt die Finsternis erreicht???

5. Woche: „Meine Zuversicht ist bei Gott“ Psalm 62, 2-8

Liebe Schwestern und Brüder,
ich erlaube mir an dieser Stelle, zum vertrauten „Du“ überzugehen – so schreibt
und liest es sich flüssiger.
Glaubst Du an Zufälle?
Wenn wir heute den Text für die kommende Woche lesen, dann kommen mir da
Zweifel. Aber lies selbst:
Es handelt sich um ein Stück aus einem alten Gebet – Psalm 62 die Verse 2-8.
Wir wissen ja: die Psalmen sind Gebete, die früher gesungen wurden – von
Einzelnen oder auch der versammelten Gemeinde. Verblüffend ist, dass das, was
die Menschen früherer Generationen und Zeiten in diesen Gebeten vor Gott
gebracht haben heute noch so aktuell wie damals ist: Lob, Dank, Trauer, ja auch
Wut und Anklage – so wenden sich Menschen an Gott. Aber immerhin: sie
wenden sich an Gott und d.h. sie rechnen mit seiner Existenz. Auch in schweren
Lebenssituationen, in Trauer, Verzweiflung, Angst und Bedrängnis rechnen sie
mit Gott.
Lassen wir uns doch von ihnen auch in unserer momentanen Situation darin
mitnehmen!

Psalm 62, 2-8
2 Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. 3 Denn er ist mein Fels, meine
Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde. 4 Wie lange stellt ihr
alle einem nach, wollt alle ihn morden, als wäre er eine hangende Wand und
eine rissige Mauer? 5 Sie denken nur, wie sie ihn von seiner Höhe stürzen, sie
haben Gefallen am Lügen; mit dem Munde segnen sie, aber im Herzen fluchen
sie. Sela. 6 Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.
7 Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde.
8 Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, / der Fels meiner Stärke, meine
Zuversicht ist bei Gott.
Ausgerechnet Ruhe und Vertrauen sollen uns zu Kraft verhelfen! Stille wird
als heilsame Angelegenheit beschrieben.
Wer von uns, der/die so richtig eingespannt ist hat sich nicht in der
Vergangenheit danach gesehnt, einmal einfach nur „frei“ zu haben?! Jetzt
sehnen sich viele nach der Rückkehr in die Routine der Tretmühle, die doch
Normalität bedeutete.
Wir fragen uns in diesen Tagen der reduzierten Sozial-Kontakte: Was schenkt
uns Normalität, gibt Halt und gibt heilsamen Rhythmus?
Frage:
Wie z.B. beginnst Du Deinen Tag? Gibt es da ein Ritual/Rituale, die Dich
schon lange begleiten und die jetzt in sich ständig verändernden Zeiten einen Halt bieten?

Der Text der Woche bietet einen Anhalt. Probiere es doch einmal aus und bete –
noch im Bett liegend oder am Küchentisch mit einer brennenden Kerze oder
einer schönen Blume vor Dir – diesen einen Satz:
„Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ (Psalm 62,1)
Und dann bist Du einfach ganz still, konzentrierst Dich auf Deinen Atem und
bleibst damit ganz bei Dir! Gedanken kommen und gehen. Nimm sie ernst, aber
lass sie auch wieder los.
So bin ich…bei mir selbst…vor Gott, dem ich mein Sein und Leben
verdanke…der mich liebt und annimmt, wie ich bin…so nehme ich auch mich
an…
Abschließend betest Du:
„Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre, / der Fels meiner Stärke, meine
Zuversicht ist bei Gott.“

Solche Rituale kannst Du auch teilen, damit Du spürst: Wir stehen in
Verbindung und gleichzeitig auch gemeinsam vor Gott. Verabrede mit anderen
eine Zeit, zu der Ihr – jeder an seinem Ort – dieses Ritual vollzieht.
Gehe mit solchem Handeln heraus aus der Rolle des Opfers (im Moment fühlen
sich viele von uns „gelebt“ durch so viele Vorschriften) hin zur Rolle des
Gestalters/der Gestalterin.
Zurück zum Psalm.
Der Beter dieser Worte ist in einer bedrohlichen Lage. Er ist umgeben von
Heuchlern, ja sogar von solchen, die ihm nach dem Leben trachten.
Sein Rat, wie auch wir uns in solchen Lagen helfen können:“… sei nur stille zu
Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.“, d.h. Sprich mit Gott!
Frage:
Wenn Du Dein Herz heute vor Gott ausschütten würdest: Was sagst Du ihm?
Aber auch ein solches Ausschütten bleibt nicht ohne Widerhall, denn wir
glauben ja auch, dass Gott auf unsere Gebete antwortet. Wir vertrauen Gott, dass
er uns und unsere Sorgen zu tragen vermag! Martin Luther hat es einmal so
ausgedrückt:
„Wirf dein Herz mit seinen Sorgen Gott auf seinen Rücken, denn er hat einen
starken Hals und Schultern, dass er es wohl tragen kann.“
Gott wie Esel oder Ochse? – da denken wir doch auch unwillkürlich an den Stall
von Bethlehem – und daran, dass dort bei Ochs und Esel Gott zur Welt kam und
Mensch wurde: klein und nackt und hilflos – zur Welt kam, wie auch wir zur
Welt kamen: klein, nackt und hilflos – zu uns kam, wie wir uns im Moment
fühlen: klein, nackt und hilflos.
Gott ist für uns und mit uns! Darauf können wir uns verlassen und darauf
können wir vertrauen. Jetzt machen wir es uns doch einmal mehr als sonst zur
heilsamen Aufgabe, auf die Antworten Gottes in je unserem Leben zu achten.
Dazu kann es tatsächlich hilfreich sein, dem Beter von Psalm 62 in die Stille zu
folgen. Oder wir halten es wie der alte Bauer:
Es war einmal ein Bauer, der steckte jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in
seine linke Hosentasche. Immer, wenn er während des Tages etwas Schönes
erlebt hatte, wenn ihm etwas Freude bereitet oder er einen Glücksmoment
empfunden hatte, nahm er eine Bohne aus der linken Hosentasche und gab sie in
die rechte.

Am Anfang kam das nicht so oft vor. Aber von Tag zu Tag wurden es mehr
Bohnen, die von der linken in die rechte Hosentasche wanderten. Der Duft der
frischen Morgenluft, der Gesang der Amsel auf dem Dachfirst, das Lachen
seiner Kinder, das nette Gespräch mit einem Nachbarn – immer wanderte eine
Bohne von der linken in die rechte Tasche.
Bevor er am Abend zu Bett ging, zählte er die Glücksbohnen in seiner rechten
Hosentasche. Bei jeder Bohne konnte er sich an das positive Erlebnis erinnern.
Zufrieden und glücklich schlief er ein – auch wenn er nur eine einzige Bohne in
seiner rechten Hosentasche hatte.

bonhnen

Versuch es auch mal!

So kann die Dankbarkeit wieder Platz finden – und mit ihr die ZUVERSICHT.
Zuversicht hatte auch der Beter des 62. Psalms. Diese Zuversicht lässt ihn Bilder
für Gott finden, die stark sind: Fels, Hilfe und Schutz. Auch Schutz muss sein,
denn der Glaube an einen Gott, der hilft, der ist kein Garant für ein
gefahrenloses Leben. Unser Leben bleibt trotz Gott und unseren Glauben an ihn
ein gefährdetes. Im Moment erleben wir es alle hautnah in einem nie gekannten
und nie erwarteten Maße. Das Wichtige aber ist, dass die Gefahren nicht dazu
führen, an Gott und seiner guten Begleitung zu zweifeln und im äußersten Fall
sich von Gott loszusagen und zu trennen.

Gott trennt sich nicht von uns, sondern hält uns und begleitet uns auch durch die
Gefahren hindurch. Daran festzuhalten macht unseren Glauben und damit uns
selbst stark.


Bete mit mir zusammen die wunderbaren Worte des leider schon verstorbenen
Christen, Kabarettisten und Wortakrobaten Hanns-Dieter Hüsch:

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Singen wir jetzt: eg 369 Wer nur den lieben Gott lässt walten
1) Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

2) Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

3) Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt,
wie unser's Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt;
Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

4) Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei;
wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei,
so kommt Gott, eh wir's uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn.

5) Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist
und dass ihm der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist.
Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel.

6) Es sind ja Gott sehr leichte Sachen und ist dem Höchsten alles gleich:
Den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöhn, bald stürzen kann.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Gemeindebüro

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Öffnungszeiten:
Mo - Do. 9-12 Uhr
Do. 15-17 Uhr
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Pfarrerin
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